Astrid Rieder trans-Art

ATELIERKONZERT FÜR NEUE MUSIK 2015 „BEYOND THE LIMITS“

 

Am 20. Juni 2015 eröffnet Astrid Rieder das 19. Atelierkonzert für neue Musik unter dem Thema „beyond the limits“ um 18 Uhr. In der vorangestellten Keynote referiert Norbert J. Huber unter dem Titel "Kunstwerke sind symbolische Gebilde – wie die Sprache,” gefolgt von Reinhold Kletzander und Friedrich Hecher, die jeweils über ihre persönliche Erfahrung von Kunst und Akrobatik als Ausdrucksform für Kinder und Jugendliche sprechen.

Anschließend lädt Astrid Rieder um 20 Uhr ein noch breiteres Publikum ein, der trans-Art-Performance ohne Zwischenapplaus zu folgen und stattdessen in sich hinein zu hören und damit das Erlebte zu vertiefen. Mit den ersten Takten von Terry Rileys In C werden die Besucher in den Bann der trans-Art gezogen. Schnell und langsam, rund und zackig, statisch und fließend setzen die 8 Tänzer des Yugsamas Movement Collective die verschiedenen Klangfarben auf virtuoseste Art und Weise im Raum um. Bald verlagert sich der Fokus auf Angela Koppenwallner, die sich bereits am Cembalo auf der Bühne befindet. Sie lässt im Studio eingespielte, virtuell erzeugte Klänge auf ihre live gespielten Cembaloklänge treffen. Ein Duett der „grenzenlosen“ Klänge entsteht, in dem Bachs Musik auf besondere Weise hervortritt. Obwohl zwischen Bach und Riley zwei Jahrhundert liegen, verschmelzen die Grenzen der Musik.

Reinhold Kletzander improvisiert auf der Laute, die durch elektronische Klänge erweitert wird. Ein junger Akrobat erscheint im Lichtkegel: der 14-jährige Stefan Hecher eröffnet den Akrobatikteil auf dem Hochrad, wechselt dann auf das Einrad und balanciert über Langbänke, springt über Paletten und sogar die Treppe der Tribüne hinauf und hinunter. Die Bewegungen sind stets kontrapunktiert durch das Lautenspiel und die elektronischen Geräusche. Als er wieder im Dunkeln verschwindet, steigt die Spannung auf den letzten Teil der Performance: das Zeichnen des Publikums zu neuer Musik. Masayoshi Matsui tritt an das Elektronik-Pult und dirigiert Angela Koppenwallner (Cembalo), Yoko Fujimura (Barockfagott) und Hanami Sakurai (Oboe d'amore) zu seinem eigens für diesen Abend komponierten Konzert für Oboe d'amore, Seymouria baylorensis. Währenddessen nehmen die Zuschauer Zeichenbögen zur Hand und beginnen, auf Papier um zu setzen, was die neue Musik in ihnen auslöst. Zu Beginn noch recht zögerlich entsteht schnell ein Zusammenspiel zwischen dem Zeichnen des Publikums und dem Musizieren auf der Bühne. Astrid Rieder fängt die Zeichengeräusche mit Mikrofon ein. Diese Wechselbeziehung, Aktion und Reaktion, äußert sich in einer pulsierenden Atmosphäre im Raum, wortwörtlich „beyond the limits.“ Nur langsam schwellen die Bewegungen ab und endlich dürfen die Zuschauer ihrer Begeisterung im Applaus Ausdruck verleihen.

Video vom Atelierkonzert 2015