Astrid Rieder trans-Art

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Live transArt Performance „we´re still alive“ zu dem Streichquartett "Zerstörung des Zimmers_der Zeit" von Christian Ofenbauer

im Atelier Astrid Rieder im Salzburger Künstlerhaus anlässlich des Theaterfestivals „Die Kunstschleuder“ am 8. Juni 2013

Durch meine langjährige Zusammenarbeit mit verschiedenen Komponisten und Interpreten begegnete ich diesem Streichquartett, von dem ich erfuhr, dass Christian Ofenbauer dieses Stück quasi als Grundierung für das Theaterstück „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödon von Horvarth 1999 für das Grazer Schauspielhaus geschrieben hat.

http://www.kunstschleuder.at

 

Eröffnungsrede:

Ich werde zu den Klängen des Stückes „Zerstörung des Zimmers_der Zeit“ vom österreichischen Komponisten Christian Ofenbauer zeichnen. Er ist Prof. für Harmonielehre und Kontrapunkt und Abteilungsleiter für Dirigieren, Komposition und Musiktheorie am Mozarteum.

Was ist Trans Art?

Trans Art ermöglicht eine Wechselwirkung zwischen einzelnen Kunstgattungen wie Musik, Literatur und bildender Kunst und damit ein intensiveres Gesamterlebnis für das Publikum.

Warum habe ich gerade dieses Stück ausgewählt?

Durch meine langjährige Zusammenarbeit mit verschiedenen Komponisten und Interpreten begegnete ich diesem Streichquartett, von dem ich erfuhr, dass Christian Ofenbauer dieses Stück quasi als Grundierung für das Theaterstück „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödon von Horvarth geschrieben hat.

Beinahe zeitgleich mit der Begegnung dieser „Grundierung“ begann die Planung des  Theaterfestivals „Die Kunstschleuder“ in diesem Haus, das den Titel tragen sollte „Hurra, wir leben noch“.

Dass ein  Komponist den Begriff Grundierung, der aus der Malerei stammt, für sein Stück verwendet, ließ mich als transArt Künstlerin nicht mehr los.

Die Grundierung einer Leinwand für eine bestimmte Maltechnik ist die Basis jeden Bildes. Ungrundierte Leinwände sind porös, starksaugend, schlucken viel Farbe und erschweren somit das Arbeiten. Um diese Nachteile aus zu schalten, müssen die Leinwände dicht und undurchlässig gemacht werden. Ein heller Grund verstärkt außerdem die Leuchtkraft des Bildes.

Die Grundierung soll 2-3 mal aufgetragen werden. Dazwischen liegen längere Trockenphasen.  Anschließend wird die grundierte Leinwand gegebenenfalls nochmals nachgespannt.

Die berühmten Barockmaler Rembrandt und Rubens färbten ihre Grundierung. So bevorzugte Rembrandt z.B.: eine dunkelbraune Grundierung, was seinen Bildern die dunkle warme Ausstrahlung verleiht. Rubens hingehen bevorzugte den weißen Gipsgrund mit heller Blaugraulasierung.

All das forderte mich heraus und ich plante nun, eine transArt Performance mit Christian Ofenbauer´s Grundierung zu bauen:

Das Streichquartett trägt den Titel: „Zerstörung des Zimmers_der Zeit“. Diesen Titel trägt die gleichnamige  Geschichte von Bertold Brecht. Sie handelt von Deserteuren des 1. Weltkriegs. In den 80iger Jahren hatte Christian Ofenbauer mit dem Ensemble Angelus Novus Wien mit dieser Geschichte gearbeitet. Daraus ist eine Tonbandinstallation entstanden.

1999 wurde er von dem Regisseur Lutz Graf gefragt, ob er für das Theaterstück „Geschichten aus dem Wienerwald“ im Grazer Schauspielhaus eine Theatermusik komponieren könnte. Er erinnerte sich an die Geschichte Bertold Brechts und schrieb das Streichquartett mit dem Titel „Zerstörung des Zimmers_der Zeit“ und verwendete es als Grundierung, das heißt, die Klänge waren während des gesamten Theaterabends zu hören.

Außerdem komponierte er noch Stücke für Klavier, Zither, Kontragitarre und zwei Geigen. Das sind die Instrumente, die auch in der Theaterfassung von 1931 verwendet wurden.

Diese auskomponierten Stücke von Christian Ofenbauer, die gleichzeitig mit der Grundierung zu hören sind, werden wir heute nicht hören. Sie stehen in ihrer Abwesenheit als Vertretung für die vielen verschiedenen Theaterstücke, die momentan in den anderen Ateliers im Künstlerhaus stattfinden.

Ich werde nun 10 Minuten aus dem 48 minütigen Streichquartett „Zerstörung des Zimmers_der Zeit“ von Christian Ofenbauer in Zeichnung umsetzen.

(Dies wird dreimal aufgeführt: um 21:30h, um 23h und um 1h morgens).

Erlauben Sie mir noch eine kurze Bemerkung:

Ganz im Sinne von Adorno, der 1961 während der Kranichsteiner Musiktage in einer Vorlesung über die informelle Musik folgendes sagte : „Die Gestalt aller künstlerischen Utopie ist heute: Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind.“

Liebe Gäste, ich lade sie herzlich ein, sich auf dieses künstlerische Experiment einzulassen. Für den einen oder anderen kommt es vielleicht zu dieser Intensivierung des Erlebten.