SUMMIT OF TRANS Art

Symposium

SUmmit of Trans- Art 13./14.08.2020

Wissenschaftliches Symposium 2020 im Atelier Astrid Rieder 

Der SUMMIT of trans-Art 2020 war ein wissenschaftliches Symposium anlässlich der 50. Darbietung der monatlich stattfindenden Serie do trans-Art. Diese Tagung versuchte den Dialog zwischen den Kunstgenres neue Musik, abstrakte Zeichnung, Performancekunst und Dokumentarvideo zur Diskussion zu stellen. Eingeladen waren dazu internationale ReferentInnen mit ihren Fachkenntnissen und beruflichen Erfahrungen. Diese Veranstaltung fand am 13. und 14. August 2020 im Atelier von Astrid Rieder in der Bundesstraße 37 in Wals-Siezenheim statt.


Astrid Rieder arbeitet bereits über 20 Jahre kontinuierlich an der Verknüpfung der Kunstgenres zeitgenössischer Musik und abstrakter bildender Kunst. Im SUMMIT of trans-Art  öffnete sie ihr Atelier für Vorträge, wissenschaftliche Diskurse und bot den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, trans-Art im Zuge einer Publikumsperformance als aktiv zeichnende/r PerformerIn zu erfahren.

In ihrer Eröffnungsrede verglich Astrid Rieder die Vorbereitungen für dieses Symposium über trans-Art mit einer Erstbesteigung einer der höchsten Berge unseres Planeten. Darum wählte sie den Titel SUMMIT of trans-Art.

Ziel dieser Veranstaltung war und ist durch wissenschaftliche Auseinandersetzung den ernsthaft künstlerischen Anspruch der von ihr kreierten trans-Art und der daraus entstehenden Composition graphique musicale zu belegen.

Die von Astrid Rieder definierte Besonderheit dieser Composition graphique musicale liegt in der akustischen wie graphischen Gestaltung der Performance. Diese erfolgt interaktiv, intuitiv, vor allem aber in  gegenseitigem Respekt. 

Beide, die ZeichnerIn und MusikerIn, treffen ohne Absprache und vorgefertigtem Konzept oder Partitur aufeinander und entwickeln ihr künstlerisches Werk spontan.

Sabine Coelsch-Foisner stellte in ihrem beleuchtenden Festvortrag die Frage, ob Kunst immer schon in einer gewissen Form trans-Art war. Mit zahlreichen Beispielen aus der Kunstgeschichte konnte sie belegen, dass im Verbinden von Kunstgenres ein potenzierender Synergieeffekt liegt.

 

Im Anschluss daran gestalteten der Komponist Karlheinz Essl und Astrid Rieder die 50. Darbietung der Serie do trans-Art. Als Input für die elektronische Bearbeitung seines Klanges  im künstlerischen Dialog wählte der Elektroakustiker über Strecken das direkt neben der papierenen Leinwand mit einem Kontaktmikrophon abgenommene Arbeitsgeräusch des Zeichenvorganges. In knapp 40 Minuten entstanden eine thematisch dichte, additive Zeichnung auf der 150x100 cm papierenen Leinwand und vielschichtig elektronisch modifizierte Klänge. Die Kombination  dieser abstrakten Ausdrucksmittel schaffte bei den RezipientInnen einen offenen Reflexionsraum.

 

Am nächsten Morgen, am Freitag, den 14. August, beschäftigten sich Wolfgang Richter, Irene Suchy, Christian Tschinkl, Jürgen Tabor, Christian Ofenbauer, Max Rieder, Patricia Lopes Bastos, Peter Kutin und Petra Hinterberger mit den Elementen von trans-Art.
In der Podiumsdiskussion, die von Christian Ofenbauer geleitet wurde, entwickelte sich folgender Konsens, worin der Mehrwert einer trans-Art besteht:

 

1. In der Kombination der Künste könnte sich ein gewisser Mehrwert an Erfahrung einfinden, wenn die verschiedenen Künste die Techniken voneinander übernehmen. Dadurch würde sich ihr Verhaltensrepertoire verändern beziehungsweise erweitern.  

2. Bezüglich der Frage nach der Organisationsstruktur, wenn Künste kombiniert werden, wurde das Beispiel aus der Zusammenarbeit von Cage und Cunningham erwähnt. Diese haben aus einer schwierigen Situation eine elegante Strategie entwickelt, indem sie die Entscheidungshierarchie bei der Endgestaltung ausgeklammert haben. 

3. Wichtig ist, dass Kunst in den privaten Bereich fließen kann und Lebensverbindungen berühren kann. Aber das ist schwer zu verorten.

4. Der Vertrag mit dem/r ZuschauerIn: Darunter versteht man ein gegenseitiges Unterstützen zwischen den zwei ProtagonistInnen und den RezipientInnen. In einer trans-Art Performance steht also das unkonventionelle, beobachtende Erleben der Interaktion zwischen ZeichnerIn, MusikerIn und dem Publikum im Vordergrund.
In einer Publikumsperformance entwickelt sich dieser mögliche Vertrag wie folgt: Der/die RezipientIn wird zum/r ProtagonistIn. Spontan und freiwillig wirkt jede/r abwechselnd in einer bestimmten Zeitvorgabe am Gestalten des Gesamtkunstwerkes mit.

Neben dem physischen Raum schaffen sich alle Mitwirkenden, durch die konzentrierte Aufmerksamkeit, einen individuellen, praktisch unbegrenzten, geistigen Freiraum.

 

Diese vier Punkte weisen alle samt Schnittmengen der Elemente der trans-Art auf, oder haben in Interpretationsperspektiven miteinander zu tun. 

 

Als letzter offizieller Programmpunkt des Symposiums wurden alle TeilnehmerInnen eingeladen, selbst als zeichnende/r AkteurIn, für einen Zeitraum von jeweils fünf Minuten an einer papierenen Leinwand von 150x150 cm mit einem/r MusikerIn zu interagieren.

Innerhalb einer Stunde wechselten sich zwölfmal die agierenden Personen ab. Der Ablauf war fließend. Alle übergaben nach dieser neuen, inspirierenden Erfahrung mit einem glücklichen Lächeln die Leinwand dem/r nächsten KünstlerIn. Das Feedback war enorm positiv.

 

Zum Ausklang blieb, wer noch Zeit hatte, das NACHTCAFE.

Da die wissenschaftliche Auseinandersetzung ein enorm wichtiger Teil jeder Weiterentwicklung ist, bleibt zu wünschen, dass auf diesen SUMMIT of trans-Art weitere folgen werden.

GALERie

Fotos von © Paul Aigner

 

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